Doktor Schock
Keltenring
Wandulf der Waldschmied
Der Floh des Schneiders Schrapp
Der Druide und seine Opfer
Der Wolfsziegel
Gräfin Potocki
Der Ochsenmillionär
Lugge looh
Willi und ... Ostseepiraten

Willi und ... Ostseepiraten

Band 3: Willi und das Geheimnis der Ostseepiraten

Als sie an Hamburg vorbeikamen, staunte Willi über die vielen Kräne und Container. Leider war von dem großen Hafen sonst nichts zu sehen. Nach dem Elbtunnel wurde das Land immer einsamer. Rechts und links der Autobahn standen vereinzelt kleine Bauernhöfe, die irgendwann in dem immer dichter werdenden Nebel verschwanden. „Was für eine Milchsuppe“, stöhnte Husti und schloss die Augen, um noch ein wenig zu dösen. Auch Willi stopfte sich das Kissen, das er extra mitgenommen hatte, zwischen seinen Kopf und die Seitenscheibe des Busses und schlief ein. Er wurde erst wieder wach, als der Bus über eine Schlaglochpiste holperte.
„Bist du sicher, dass wir hier richtig sind?“, hörte er seine Mutter sagen. „Die Pension kann doch unmöglich an so einer Straße liegen.“ Willi drückte seine Nase an die Scheibe. Es war immer noch neblig und die Dämmerung hatte bereits eingesetzt. „Ich glaube, da vorne ist es.“ Ewald deutet in die Nebelschwaden. Langsam wurden die Umrisse eines großen Gebäudes sichtbar, das sich unheimlich und drohend vor ihnen aus dem Dunst erhob. Ein halbes Dutzend Erker und Türmchen ließ das alte Gemäuer aussehen wie eines der Geisterhäuser in einem dieser Gruselfilme, die Ralle so gern schaute. Der Nebel rund um das Haus tat das übrige dazu. Die Trauerweiden, die im Garten des Anwesens aus den Dunstschwaden ragten, wirkten wie Riesen, die mit ihren bis zum Boden reichenden Armen gespenstisch im Wind hin und her schaukelten.
Willi spürte einen Schauer, der ihm den Rücken hinunterlief. So hatte er sich die nette kleine Pension auf Rügen nicht vorgestellt! Auch Mama Sauerbach schien recht entsetzt. In ihren leicht zitternden Händen hielt sie eine alte Postkarte von Tante Helene, auf deren Vorderseite sich ein vergilbtes schwarz-weißes Bild des Hauses befand. Sie waren hier richtig, das stand fest. Das Haus auf dem Bild war dasselbe wie das vor ihnen. Nur wirkte es auf der Karte wesentlich einladender.
Der Onkel lenkte den Transporter auf einen kleinen Parkplatz direkt vor einer Holzveranda. Obwohl dort noch ein weiterer Wagen stand, brannte nirgends Licht. Nachdem Toni die Schiebetür geöffnet hatte, sprang Felix als erster hinaus. Die anderen folgten. Willi musste sich nach

der langen Fahrt erst einmal recken, dabei behielt er das Haus immer im Blick. Wieder durchfuhr ihn ein Schauer. Diesmal war der eisige Wind, der ihnen um die Ohren blies, wohl der Anlass. Die Luft roch salzig und der Nebel strich feucht über sein Gesicht. Er vermutete, dass das Meer nicht weit sein konnte. Ewald ging zu dem silbernen Wagen, der wenige Meter entfernt stand, und legte seine Hand auf die Motorhaube. „Ist noch warm“, stellte er fest. „Der gehört bestimmt Herrn Rechtsanwalt Becker. Felix rannte derweil um den Wagen herum und schnüffelte eifrig. Dann lief er schnurgerade auf die Haustür zu und blieb dort knurrend stehen. Ewald, der seinen Hund beobachtete, kratzte sich am Kopf. „Merkwürdig“, brummelte er. „Ihr wartet hier besser.“ Dann ging er zu Felix, der immer noch knurrend vor der Tür stand. Der Onkel packte den Schäferhund am Halsband und drückte mit der anderen Hand die Türklinke hinunter. Die Haustür war nicht verschlossen. Schließlich verschwanden die beiden in dem Gebäude.
„Echt unheimlich, die Bude“, flüsterte Toni, als habe sie Angst, das Haus könnte sie hören. Willi nickte. Er blickte nach oben zu einem der zahlreichen Erker. Rings um die Fenster schien, wie überall am Haus, der Lack abzuplatzen. Plötzlich stutzte er. Bewegte sich da eine der Gardinen? Er fixierte das fragliche Fenster. Nee, da bewegte sich nichts mehr. Aber für einen Moment hatte es wirklich so ausgesehen. Er schüttelte den Kopf. Quatsch, da war nichts gewesen. Er sah zu Toni. Merkwürdigerweise fixierte die Cousine aber ebenfalls dasselbe Fenster.
Hundegebell lenkte beide ab. Sie starrten zur Tür. Sekundenlang tat sich nichts. Dann ging mit einem Mal im Haus das Licht an. Kurz darauf tauchte Onkel Ewald, gefolgt von Felix, auf der Veranda auf, bei ihm ein Mann mit Glatze und grauem Anzug, der sich ein Taschentuch an den Kopf drückte und von dem Onkel gestützt wurde. Der Fremde ließ sich schlaff auf die Treppe nieder und besah sich das Tuch in seinen Händen. Willi erkannte sofort, dass der Mann verletzt war. An seinem kahlen Hinterkopf befand sich eine klaffende Platzwunde, aus der Blut auf das weiße Hemd des Herrn tropfte.

>Buch hier versandkostenfrei bestellen




Cover "Willi und das Geheimnis der Ostseepiraten"


Druckbare Version

Impressum Kontakt Datenschutzerklärung